Klasse 5b besuchte den Losheimer Weltladen

Was liegt näher, wenn man im Religionsunterricht über „Leben und Teilen in der Einen Welt“ spricht, den Losheimer Weltladen aufzusuchen, zumal er ganz in der Nähe der Schule liegt. Dummerweise ist er aber nur donnerstags von 16 bis 20 Uhr geöffnet, doch die beiden ehrenamtlichen Helferinnen Barbara Hilgers und Rosina Trausnick öffneten den Laden extra für die Klasse 5b montagmorgens. In ganz Deutschland gibt es nur 800 Weltläden und einen davon in Losheim, und zwar seit über 30 Jahren rein ehrenamtlich geführt. Engagierte Mitarbeiter werden noch gesucht.

Zuerst schauten wir uns um und entdeckten viele besondere Dinge aus den armen Ländern, z.B. einen großen Elefanten aus Müll neben anderem Kunsthandwerk aus Afrika, Südamerika und Asien, aber auch ein paar Spielsachen, Musikinstrumente und Lebensmittel, wie Schokolade, Gewürze, getrocknete Mangos, Tee, Kakao, Kaffee, Zucker usw. Alle Produkte stammen aus fairem Handel, etwa von der GEPA oder El fuente. Alles wird in den armen Ländern fertiggestellt außer dem meistverkauften Produkt des Weltladens, nämlich Schokolade, die in der Schweiz veredelt wird. Viele von uns kauften Schutzengelschokolade. Die Aktion Schutzengel holt Kinder von der Straße und aus den Bordellen, um ihre Kindheit zu retten. Manche kauften auch silberne Schlüsselanhänger oder getrocknete Mangos.

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Über den fairen Handel mit Mangos sahen wir einen sehr erschreckenden, aber auch hoffnungsvollen Film. Denn die Organisation Preda hat mit Mangokooperativen eine ökologische Landwirtschaft aufgebaut. Die Nachfrage nach getrockneten Mangos und Mangosaft ist so gestiegen, dass man die Landflucht eindämmen kann und Eltern und Kinder genug verdienen, um eine Schule besuchen zu können.Dies ist eine viel bessere Einnahmequelle als Kinderprostitution; den traumatisierten Mädchen hilft eine Psychologin mit Schreitherapie, Tanz, Theater, Sport. Die Ernte eines einzigen Mangobaumes – sie werden bis zu 40m hoch – deckt die Jahreskosten für zwei Schulkinder.

Außerdem sahen wir noch einen Film über Straßenkinder auf den Philippinen. Dort hausen etwa 100 000 Kinder obdachlos, sind der extremen Armut und den oft alkoholkranken Eltern entflohen, leben vom Betteln, Müllsammeln, Verkauf, werden aber auch oft aus Not kriminell und versuchen, ihr erbärmliches Leben zeitweise durch Schnüffeln zu vergessen. Der Staat investiert wenig Geld in die verwahrlosten Kinder. Gott sei Dank gibt es private Hilfsprojekte, so kümmern sich etwa die Salesianer Don Boscos um Straßenkinder und betreuen sie bis zur Selbständigkeit.

In den armen Ländern bessern bereits Vierjährige durch Kinderarbeit den Verdienst der Familie auf. Dagegen tritt fairer Handel für die Rechte von Kindern auf Schutz, Schule und Freizeit ein, für die Gleichberechtigung der Mädchen und Frauen, für die Rechte der Arbeiter und Angestellten und ihre Qualifizierung, damit sie sich gegen Ausbeutung wehren können und genug verdienen, um ihre Kinder zur Schule schicken zu können. Fairer Handel schließt den unfairen Zwischenhandel aus und garantiert auf Dauer faire Preise, die etwa 10% über den Weltmarktpreisen liegen, damit sich die Bauern und Handwerker auch einen Arztbesuch und Medikamente leisten können, denn in den armen Ländern gibt es keine Grundsicherung wie bei uns Hartz IV. Der faire Handel eröffnet den Kleinbauern und Kleingewerbetreibenden den Zugang zum Weltmarkt und legt auch Wert auf Umweltschutz, z.B. biologischen Anbau ohne Gifte. So hilft er, dass weniger Menschen hungern müssen. Diese Grundsätze erklärt uns Frau Trausnick sehr anschaulich und ergänzt, dass der Weltladen auch immer wieder politische Kampagnen durchführt, damit wir erkennen, wie ungerecht die Weltwirtschaft ist, dass wir oft auf Kosten der armen Länder leben. Zu dieser Problematik kann man sich viele Bücher ausleihen, es werden Vorträge gehalten und es liegen viele Prospekte aus, z.B. „Eure Almosen könnt Ihr behalten, wenn Ihr gerechte Preise zahlt.“

Zum Schluss danken wir Frau Trausnick und Frau Hilgers ganz herzlich, dass sie uns diesen eindrucksvollen Besuch ermöglicht haben.

Iris Maurer