Die Welthungerhilfe zu Besuch

Bereits vor den Osterferien führte die Klasse 6b einen Lesemarathon zugunsten der Welthungerhilfe durch, d.h. wir suchten – und fanden – Sponsoren, die uns für jede gelesene Seite einen bestimmten Betrag oder einen Gesamtbetrag spendeten. Eltern, Großeltern, Nachbarn, Freunde und Lehrer machten mit, sodass wir insgesamt 300 € an die Welthungerhilfe überweisen konnten. Dafür erhielten wir eine Urkunde, die nun unseren Klassenraum schmückt.

 Außerdem vermittelte uns die Welthungerhilfe den Besuch einer Referentin, und so durften wir am 16.5.2017 Eva Schade bei uns begrüßen. Die Psychologiestudentin wurde von Frau Katgeli-Graf empfangen. Sie hat den weiten Weg von Bonn nach Losheim auf sich genommen, um uns zuerst die Welthungerhilfe allgemein und dann die Wash-Projekte zu präsentieren und abschließend stellte sie sich unseren Fragen zu ihren persönlichen Einsätzen.

Die Welthungerhilfe als eine der größten deutschen Hilfsorganisationen mit Sitz in Bonn tritt für eine Welt ohne Hunger ein. Erschreckenderweise hungern aber derzeit noch 805 Mio Menschen, also jeder Neunte – auf unsere Klasse übertragen könnten sich drei Schüler wegen Magenknurren nicht konzentrieren. Außerdem sterben täglich 8500 Kinder unter 5 Jahren an Unterernährung, also würde unsere Schule neunmal aussterben.Dagegen engagiert sich die Welthungerhilfe vor allem in Afrika und Asien durch Hilfe zur Selbsthilfe, das bedeutet, es werden z.B. keine Wasserflaschen geliefert, sondern Brunnen gebohrt. Auch in Europa ist die Welthungerhilfe aktiv, um uns darüber aufzuklären, was wir gegen den Hunger tun können.

Dann stellte uns Frau Schade die Wash-Projekte vor, indem sie uns immer wieder Fragen stellte, die uns zum Nachdenken brachten, etwa wofür brauchen wir Wasser oder welche Konsequenzen hat es, wenn Wasser Mangelware ist, was für 663 Mio Menschen zutrifft? Gleich fielen uns Durst, Kopfweh, schlechte Konzentration,  Gestank, gefährliche Keime und Bakterien ein, wenn Toiletten fehlen. Dabei vergaßen wir, das in regenarmen Gegenden nicht bewässertes Land schlechte Ernten hervorbringt. Während bei uns Wasser verschwendet wird, werden anderswo Kriege um Wasser geführt. Das wird durch den Klimawandel, den auch unsere Autos und Flugzeuge fördern, noch schlimmer, wenn es in den heißen Ländern noch wärmer und trockener wird. Derzeit fallen 440 Mio Schultage wegen Wassermangel aus!

Um diesen Teufelskreis zu unterbrechen, fördert die Welthungerhilfe z.B. Projekte in Burkina Faso und in Äthiopien. In Burkina Faso verfügen nur 3% der Einwohner über ein WC und 70% der Kinderkrankheiten gehen auf Wassermangel zurück. Warum werden die Wasserprojekte gerade an Schulen durchgeführt? Dort werden Toiletten gebaut und die Kinder waschen ihre Hände unter aufgehängten Kanistern. So lernen sie Hygiene, bleiben gesünder, erzählen es ihren Eltern und gründen Gesundheitsclubs. Nebenbei wird so auch für die Schulen geworben, sodass mehr Eltern ihre Kinder zur Schule schicken, und Gebildete finden Lösungen.
In Äthiopien verfügen immerhin 20% über WCs und 33%  über sauberes Wasser. Hier werden Toiletten an Schulen und Wassserkioske gebaut, die Brunnen bauen und pflegen und Wasser verkaufen. In Washclubs lernt man, wie man Wasser spart. Unsere 300 € werden in Burkina Faso und in Äthiopien eingesetzt.

Zum Abschluss ihrer Präsentation stellte uns Frau Schade die Frage, was wir noch tun können. Von einem Lesemarathon hatte sie noch nie gehört, aber sie kennt den Run for help oder Pfand sammeln oder Muffins backen oder in den Supermärkten „Viva con Agua“ – Wasser kaufen, diese Marke spendet einen Teil ihres Erlöses an die Welthungerhilfe. Wir wussten auch viele Möglichkeiten, wie wir Wasser sparen können, etwa duschen statt baden, aber den Wasserhahn zwischendurch zudrehen, Wäsche sammeln, bis die Waschtrommel voll ist. Wir kannten auch schon „fair trade“ durch unseren Besuch beim „Eine Welt Laden“. Auch den Klimawandel können wir reduzieren, wenn wir regionale Produkte kaufen, Fahrrad, Zug, Bus statt Auto fahren, Fahrgemeinschaften bilden. Frau Schade empfahl uns auch Kleidertauschpartys, Kleidercontainer, Flohmärkte. Sie findet es ganz schlimm, wenn Essen weggeworfen wird. Nach ihrem eindrucksvollen Vortrag haben wir uns vorgenommen, dass kein Pausenbrot mehr im Müll landen soll.

Am Schluss durften wir Frau Schade noch zu ihren persönlichen Erfahrungen befragen. Sie war schon in Kambodscha, Bosnien, Namibia, in einem Flüchtlingsprojekt in Griechenland und im Libanon tätig und will in den Ferien in Jordanien und Uganda arbeiten. Die Verständigung funktioniert über Englisch, Französisch, mit Händen und Füßen, und außerdem lernt sie Arabisch, die schwierigste Sprache nach Chinesisch. Seit ihrer Schulung 2014 ist sie auch in Schulen als Referentin aktiv, und zwar alles ehrenamtlich. Wenn man Familie hat, sind solche Einsätze schwierig. Die Welthungerhilfe setzt die Bewerber nach ihren Fähigkeiten ein. Man braucht auf jeden Fall Empathie, also Einfühlungsvermögen, und muss mit den Menschen auf Augenhöhe umgehen. Es ist zwar anstrengend, aber sie ist von ihren Einsätzen sehr beeindruckt, vor allem von der Freundlichkeit, der Gastfreundschaft, dass viele trotz aller Armut glücklich sind. Besonders berührt hat sie, dass Flüchtlingskinder, die alles verloren hatten, ihr drei Kuscheltiere zum Abschied schenkten. In den ärmeren Ländern sind die Menschen zufriedener, sie lachen auch mehr. Wir Schüler meinen, dass wir oft durch den Wohlstand verwöhnt und egoistisch sind nach dem Motto : Wer viel hat, gibt weniger her. Frau Schade erzählt uns, wie sich ein Mädchen in Kambodscha über einen Lichtschalter für eine Glühbirne gefreut habe. Natürlich wollen wir auch wissen, wie sicher solche Einsätze sind. Frau Schade beruhigt uns: wenn man sich an die Regeln hält, ist es nur wenig unsicherer als bei uns. Im Libanon darf man nicht überall hin, z.B. nicht auf Demonstrationen oder in Konfliktgebiete. Negativ findet Frau Schade etwa den überall herumliegenden Müll und die schmutzigen Flüsse in Kambodscha oder dass sich viele Diktatoren nicht um das Wohl der Einwohner kümmern oder dass viele Bauern ausgebeutet werden, damit wir möglichst billige Bananen oder Schokolade essen können. Untergebracht war Frau Schade bei Gastfamilien oder über ihrem Arbeitsplatz, einem Kinderheim, oder in einem Haus mit anderen freiwilligen Helfern.

 Frau Schade war auch von uns beeindruckt, weil wir so interessiert waren und auch schon einiges wussten. Als Dankeschön malten wir ein Bild für Frau Schade mit vielen „Helden des Alltags“, denn das ist Frau Schade für uns. So schnell geht eine Doppelstunde selten vorbei. Toll, dass wir eine so weitgereiste Expertin interviewen und unterstützen durften.