Auf dem Weg zur „Fairtrade-Schule“

Im letzten Schuljahr wurden 4 Klassen unserer Schule in Saarbrücken als „faire Klassen“ ausgezeichnet. Vor den Sommerferien haben Gesamtkonferenz und Schulkonferenz beschlossen, dass die Peter-Dewes-Gemeinschaftsschule eine „Fairtrade-Schule“ werden möchte. Denn Gerechtigkeit, Verbot von Kinderarbeit, Gleichberechtigung von Männern und Frauen, ökologischer Anbau mit Anpassung an den Klimawandel, Nachhaltigkeit, fairer Handel mit garantierten Mindestpreisen für Produzenten, soziale Prämien für Gemeinschaftsprojekte… sind mehr als schöne Worte, das sind die Auswahlkriterien für den fairen Handel, den wir unterstützen möchten. Da auch Losheim eine fair trade Gemeinde und der Landkreis Merzig-Wadern eine fair trade Region werden möchten, werden unsere Bestrebungen sowohl von der Gemeinde vor Ort als auch von unserem Schulträger gefördert.

Bisher gibt es im Saarland 300 faire Schulklassen und 12 faire Schulen. Diese Auszeichnung erlangt man so:

  1. Bildung eines Schulteams aus insgesamt 5 Lehrern, Schülern und ElternInteressierte Schüler und Lehrer haben sich bereits gefunden. Bisher haben 11 Eltern ihre Mitarbeit bei Aktionen zugesagt. Dringend werden aber noch Eltern gesucht, die im Schulteam mitarbeiten möchten. Tragen Sie sich bitte unten ein. Im Voraus ganz herzlichen Dank für Ihre Bereitschaft!
  2. Kompass, den das Schulteam erarbeitet und der / die SchulleiterIn unterschreibt
  3. Mindestens zwei Fairtradeprodukte werden angeboten, ob am Schulkiosk, in den Lehrerzimmern, beim Kochen… Viele Fairtradeprodukte können auch über den Weltladen in unmittelbarer Nachbarschaft der Schule bestellt werden (Weiskirchener Str. 24). Er ist geöffnet donnerstags von 15 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 12 Uhr.
  4. Das Thema „Fairer Handel“ muss in mindestens zwei Klassenstufen und zwei Fächern behandelt werden, etwa in Kochen, Biologie, Religion, Ethik, GW, Erdkunde, Politik, … Dazu werden uns viele Projektideen, Material und Referenten von der Fairtrade Initiative Saarland (FIS) zur Verfügung gestellt.
  5. Einmal im Jahr muss eine Schulaktion zum fairen Handel durchgeführt werden, beispielsweise sensibilisie-rende Filme im Losheimer Kino verbunden mit einem Verkauf fairer Produkte oder die Beteiligung am lebenden Adventskalender „Sweet & fair“.

 

Projekt zu Kinderarbeit und Fair trade

Während sich unsere Klassenkameraden den Strapazen einer Abschlussfahrt aussetzen, beschäftigen wir Daheimgebliebenen uns mit Kinderarbeit und Fair trade, denn wir finden es gut, dass sich unsere Schule als Fairtrade-School bewerben möchte.

Sehr betroffen machte uns der Film zur Sternsingeraktion 2018, in dem sich Willi Weitzel mit drei indischen Kinderarbeiterinnen unterhält. Mit 8, ja sogar bloß 5 Jahren müssen sie eine gesundheitsschädliche Arbeit verrichten, damit ihre Familien nicht verhungern müssen! Sie schweißen täglich über zwölf Stunden lang Glasringe als Modeschmuck zusammen und werden durch die Gasflamme lungenkrank. Dafür verdienen sie pro Tag einen einzigen Euro und sterben spätestens mit 40! Dabei möchten die Mädchen so gerne zur Schule gehen und träumen davon, Lehrerin oder Ärztin zu werden. Ein anderes Mädchen muss nur nachmittags Teppiche knüpfen; die herumfliegenden Wollfasern schädigen auch die Lunge und unter der schnellen Arbeit mit der Sichel leiden die Gelenke. Doch vormittags lernt dieses Mädchen rechnen, schreiben und lesen und verbessert damit seine Zukunftsaussichten. Deshalb wurde die Schule von einem ehemaligen Kinderarbeiter gegründet, der den Müttern Kleinkredite gewährt, damit die Familien immer weniger auf die Arbeit der Kinder angewiesen sind. In Indien arbeiten 60 Mio Kinder, weltweit sogar 168 Mio! Zum Schluss weist Willi Weitzel darauf hin, dass sich jede/r von uns bei jedem Kauf, ob online oder im Geschäft, fragen sollte, ob das Produkt fair hergestellt ist, also z.B. ohne Kinderarbeit.

Wir vergleichen unseren Tagesablauf mit dem dieser Mädchen und stellen entsetzt fest, dass sie fast keine Freizeit, keine Zeit zum Spielen haben, während unsere Eltern genug verdienen, dass wir uns auf das Lernen konzentrieren und vielleicht sogar Abitur machen können.

Dann schauen wir uns eine Präsentation zur Kinderarbeit an und arbeiten eine Broschüre von terre des hommes „Kampf gegen Kinderarbeit“ (www.tdh.de 3/2019) durch. Wir erfahren, dass 72 Mio Kinder unter gefährlichen und ausbeuterischen Bedingungen schuften, 22 000 Kinder sterben jährlich an Arbeitsunfällen, viele werden chronisch krank oder verkrüppelt. Dabei hat die Internationale Arbeitsorganisation 2017 Kindern viele Arbeiten verboten, nämlich Zwangsarbeit und Sklaverei, Schuldknechtschaft, Kinderprostitution und Kinderpornografie, Kindersolda-tentum, illegale Tätigkeiten, wie Drogenhandel, Arbeit, die die Gesundheit, die Sicherheit oder die Sittlichkeit der Kinder gefährdet. Kinderarbeit nimmt leider wieder zu, vor allem in Krisengebieten und nach Naturkatastrophen oder wo der Klimawandel die Landwirtschaft erschwert. In vielen Produkten steckt Kinderarbeit: Kinderarbeit in der Landwirtschaft (z.B Palmöl für Kosmetik…, Nüsse, Schokolade, Zucker, Kaffee, Tee, Kakao, Fruchtsäfte, Smoothies, Baumwollkleidung…), Kinderarbeit in den Bergwerken (Goldminen, Coltan für Handys, Mica für Autolack…), Kinder als Dienstleister (Verkäufer, Küchenhelfer, Schuhputzer…) Dagegen fordert terre des hommes Bildung für alle, Kinderparlamente, weil die Kinder am besten wissen, wie man ihre Situation verbessern kann, dass Kinderhändlern und Geldhaien das Handwerk gelegt wird, dass alle Unternehmen prüfen, ob sich ihre gesamte Lieferkette an die von der UNO herausgegebenen, aber leider noch nicht verbindlichen Regeln hält. Dazu verpflichtet haben sich etwa Fair Wear Foundation, Cotton Made in Africa, Global Organic textile Standard, Fairtrade… Einiges könnt ihr auf unserem Plakat nachlesen, das an der SV-Pinnwand hängt.

So haben wir den Zusammenhang zwischen Kinderarbeit und dem fairen Handel erkannt, mit dem sich die zweite Gruppe beschäftigt. In einer Präsentation lernen wir die Kriterien für fairen Handel kennen, nämlich Gerechtigkeit, Verbot von Kinderarbeit, Gleichberechtigung von Männern und Frauen, ökologischer Anbau mit Anpassung an den Klimawandel, Nachhaltigkeit, fairer Handel mit garantierten Mindestpreisen für Produzenten, soziale Prämien für Gemein-schaftsprojekte… Im Nordsaarland gibt es noch keine fairtrade-School, deutschlandweit aber schon 639. Immerhin sind an der PDG bereits 4 faire Schulklassen ausgezeichnet worden. Weil die Schulkonferenz vor den Sommerferien beschlossen hat, dass sich die PDG als Fairtrade-School bewerben soll, müssen wir es jetzt anpacken. Dazu brauchen wir ein Schulteam aus Schülern, Eltern und Lehrern, das einen Leitfaden erarbeiten soll. Bisher engagieren sich Schüler und Lehrer. Wir haben auf unserem Plakat einige faire Produkte ausgewählt, die man am Kiosk verkaufen könnte, z.B. Schokoriegel, Müsliriegel, Gummibärchen, Orangensaft, Mangosaft… In den Lehrerzimmern kann fairer Kaffee und Tee getrunken werden. Als besondere Projekte, etwa für eine Projektwoche in den Sommerferien, haben wir ausgesucht: eine Schokoladenwerkstatt, das Bemalen fair hergestellter T-Shirts, das Nähen fair hergestellter Fußbälle, die Herstellung von Seife und Eistee, eine faire Losheimrallye, das Drehen eines Kurzfilms über fairen Handel, die Einladung eines Musikers oder bildenden Künstlers, der mit uns Musikinstrumente baut oder Kunstwerke gestaltet… Bei der Fülle von Angeboten der FIS (= Fairtrade Initiative Saarbrücken) fällt uns die Auswahl wirklich schwer. Eigentlich dürfte für jede Klasse innerhalb einer Projekt-woche etwas dabei sein. Eine Schulaktion kann auch die Mitwirkung am lebenden Adventska-lender „sweet & fair“ sein; dafür haben wir das Rollenspiel „Der essbare Weihnachtsbaum“ erfunden. Die Gemeinde Losheim will mitmachen und wir können sie unterstützen. Genauere Infos müsst ihr im Amtsblatt der Gemeinde nachlesen.

„Der essbare Weihnachtsbaum“, unsere beiden Plakate und den Film haben wir auch Schülern aus den Jahrgangsstufen 5 und 6 vorgestellt.

Zum Abschluss unseres Kurzprojektes schauen wir uns noch den Schokofilm der GEPA von 2019 an „Von der Bohne bis zur Tafel fair“. Er zeigt, wie sich die Lebensbedingungen der Rohstoff-produzenten durch die Preisgarantien der GEPA verbessert haben, z.B. der Kakaobauern in Sao Tome und Principe und in Kamerun, der Zuckerrohrbauern auf den Philippinen und der deutschen Biomilchbauern. Im Wuppertaler Schokokreativzentrum werden tolle Schokoladensorten ausge-tüftelt, die sich durch eine transparente Lieferkette, Qualitätskontrollen von Anfang an und eine sorgfältige Veredelung auszeichnen. Nachdem uns der Film den Mund wässrig gemacht hat, besuchen wir den Weltladen in der Nachbarschaft und kosten die fairen Schokoladen: wirklich lecker! Dort überreicht uns Herr Röder auch eine Broschüre mit dem Titel „Kinderarbeit – wem nützt sie?“ Wir merken, dass wir noch sehr viel zum fairen Handel lernen können, und hoffen, dass wir eine Fairtrade-Projektwoche durchführen werden.

 

Wenn ihr euch im Internet genauer informieren wollt, hier ein paar nützliche Links:

Ingrid: v.os@web.de
Peter: weichardt@faire-klasse.de
kangwana2@hotmail.com
http://www.faire-klasse.de/
https://www.fairtrade-schools.de/
http://www.faires-saarbruecken.de/bildung/fairtrade school