Auf „Spurensuche“ mit dem VDK

Ausstellung des VDK zu saarländischen Gefallenen im Zweiten Weltkrieg

„Vor genau 70 Jahren, am 8. Mai 1945 führte die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht zum Ende des 2. Weltkriegs. Ein wichtiger Tag in unserer Geschichte. Denn mit ihm kehrte der Frieden in Europa ein.“ Werner Hillen redete zu einer Gruppe von Neuntklässlern der Peter-Dewes-Gesamtschule Losheim am See. Sein Vortrag über das „Dunkelste Kapitel“ der Deutschen erfolgte im Rahmen der Wanderausstellung „Spurensuche“ des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge – kurz VDK, die zurzeit in Losheim Station macht. Dafür wurden in der Schule mehrere Stellwände aufgebaut mit Informationen und Berichten von Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs. Eines Kriegs, der unzählige Menschenleben gekostet hat. So viele, dass selbst 70 Jahre nach Kriegsende hierzulande noch immer jährlich tausende Gefallene gefunden werden.
Werner Hillen war 33 Jahre lang Schulleiter der Edith-Stein-Schule in Friedrichsthal. Zusammen mit seinen Schülern und dem VDK hat er die Ausstellung ins Leben gerufen, um Schüler zum Nachdenken anzuregen. Zum Nachdenken über den Völkermord der Deutschen im Zweiten Weltkrieg, damit er nicht in Vergessenheit gerät. Über mehrere Monate begab sich die Projektgruppe auf Spurensuche. Auch an Wochenenden traf sich die Gruppe, um möglichst viele Informationen zusammen zu tragen. Dafür konnten sogar fünf Zeitzeugen gewonnen werden, deren Eltern an der Front kämpften. Den Beginn des Schulprojektes markierte damals eine Informationsfahrt nach Verdun und zur deutschen Kriegsgräberstätte nach Andilly in Frankreich. So wurden die Jugendlichen erstmals an Orte der Erinnerung an Kriege und Zeiten der Gewaltherrschaft herangeführt. Es wurden kritische Fragen diskutiert, nach historischen Spuren und aktuellen Bezügen gesucht. Im Anschluss wurde dann der Kontakt mit den Zeitzeugen und Angehörigen aufgenommen.
Das Ergebnis des Projekts, die mobile Wanderausstellung, kann mittlerweile kostenlos beim VDK ausgeliehen werden. So machte auch die Peter-Dewes-Gesamtschule in Losheim davon Gebrauch, zumal im Geschichtsunterricht der Klassenstufe 9 der Zweite Weltkrieg auf dem Lehrplan steht. Die Ausstellung sollte das Thema noch einmal visuell abrunden und die eher faktische Geschichte aus dem Unterricht in eine erlebte Geschichte wandeln. In einem Klassenraum wurden die Aufsteller für mehrere Tage aufgebaut. Die Schüler konnten sich so im Vorfeld des Vortrags in das Thema einlesen.
Hillen, der die Funktion des VDK-Landesvorsitzenden innehat, machte sein besonderes Anliegen vor den interessierten Neuntklässlern deutlich: „Wir leben seit 70 Jahren ohne Krieg. Doch der Frieden ist gefährdet. Schaut in Richtung Ukraine. An den Grenzen Europas ist der Krieg wieder angekommen. Ihr seid unsere Zukunft, die sich politisch betätigen soll.“
An seiner Seite hatte er eine der fünf Zeitzeuginnen: Doris Deutsch. Auch ihr Vater fiel im Krieg. Emotional berichtete sie darüber, wie selten sie ihren Vater in den Kriegsjahren zu Gesicht bekam und wie sie ihm in voller Erwartung bei einem seiner seltenen Besuche am Bahnsteig entgegen lief.
Viele Schüler waren angetan von der Ausstellung und den beiden Referenten, denen sie im Anschluss an den Vortrag noch Fragen stellen durften. Marc Hausafus, 14 Jahre alt, interessiert sich sehr für das Fach Geschichte. „Die Ausstellung gibt gute Einblicke in die damalige Zeit. Vor allem das Schicksal der fünf saarländischen Soldaten fand ich sehr interessant.“ Auch die 15-jährige Doreen Reininger (15) konnte der Ausstellung neue Erkenntnisse abgewinnen: „Dass sich heute noch so viele Jugendliche mit dem dritten Reich beschäftigen, finde ich gut. Wir sollen unsere eigene Geschichte nicht vergessen, denn sie geht uns auch heute noch was an.“
Informationen über die mobile Wanderausstellung und die Arbeit des VDK gibt es hier.

Titelbild:
V.l.n.r.: Gerd Bermann, Doris Deutsch, Werner Hillen; im Hintergrund befindet sich ein Aufsteller mit Informationen zum Vater von Doris Deutsch, dem Soldaten Ernst Paul Kurz

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