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Zur Arbeit der Nationalversammlung Die Frankfurter Nationalversammlung war das erste deutsche Parlament. Sie war ein verfassunggebendes Organ. Auf ihr ruhte daher die Hoffnung
aller Menschen der damaligen Zeit, die Feudalherrschaft und Kleinstaaten abgeschafft sehen wollten und auf die Errichtung eines einzigen deutschen Staates warteten.
Das Parlament setzte sich aus mehreren Fraktionen zusammen:
Den größten Anteil der Abgeordneten bildete die liberale
Mitte. Sie zerfiel in zwei Flügel: linkes Zentrum ("Württemberger Hof”) und rechtes Zentrum ("Casinopartei"). Die letztere war zahlenmäßig und geistig die stärkste Gruppe,
die auch den stärksten Einfluss auf das Geschehen im Parlament ausübte. Daneben gab es noch eine linke Gruppierung ("Deutscher Hof”), von der sich Ende Mai 1848
eine radikalere Gruppe von Abgeordneten abspaltete ("Donnersberg”). Das Parlament beschäftigte sich mit vielen Aufgaben: Probleme der wirtschaftlichen und politischen Einheit
Deutschlands, das Verhältnis zwischen Kirche und Staat, Vorrechte des Adels, soziale Nöte des Handwerks am Beginn des lndustriezeitalters, Landesverteidigung durch eine
Kriegsmarine, verschiedene Anliegen in Petitionen aus dem Volk. Die Hauptaufgabe bildete die Erarbeitung einer Verfassung (Dezember 1848) und die Lösung der Frage bezüglich der Gestalt eines deutschen Staates:
Ein Großdeutschland mit Einschluss Österreichs oder ein Kleindeutschland unter preußischer Führung. Nachdem Österreich seine Selbständigkeit nicht aufgeben wollte, stimmte die Mehrheit im
Parlament für die "kleindeutsche" Lösung. Als der preußische König am 3. April 1849 die angebotene Kaiserkrone ablehnte, war die
Arbeit der Nationalversammlung gescheitert. Das Parlament spaltete sich, ein Rumpfparlament zog nach Stuttgart. Es wurde am 18. Juni 1848 vom Militär auseinander
getrieben. Damit war die Revolution gescheitert, aber die Wirkungen der parlamentarischen Arbeit machten sich Jahrzehnte später doch bemerkbar.
Die Beziehungen des Kreises Merzig-Wadern zur Frankfurter Nationalversammlung Das Volk verfolgte die Debatten mit großer Anteilnahme.
Diese äußerte sich in zahlreichen Petitionen, die nach Frankfurt geschickt wurden. Aus dem Saarland kamen insgesamt 95 Petitionen.
38 davon beschäftigten sich mit dem Verhältnis zwischen Kirche und Schule, 25 mit dem Verhältnis zwischen Kirche und Staat. Sieben Eingaben kamen aus dem Kreis Merzig. Davon befaßten sich fünf mit Neuregelungen
betreffend Kirche, Schule und Staat. Das Frankfurter Staatsarchiv verwahrt auch die Akten der Paulskirche. Dort war nur noch eine Merziger Petition zu finden. Sie betraf die Unabhängigkeit von Kirche und Staat.
Liste der Petitionen 1. Petition von Einwohnern des Dekanates Merzig in Betreff der Unabhängigkeit der Kirche
vom Staat, übergeben vom Abgeordneten Dewes, 2. Petition der Pfarrei St. Gangolf und Saarhölzbach, die Unabhängigkeit der Kirche von der Staatsgewalt betreffend,
3. Petition mehrerer Einwohner zu Hilbringen, die Stellung der Schule zur Kirche betreffend, 4. Protest gegen Trennung der Schule von der Kirche der katholischen Bürger der Pfarrgemeinde Losheim,
5. Petition der Lehrer der Kreise Trier, St. Wendel, Ottweiler, Saarlouis und Bernkastel um Unabhängigkeit des Lehrerstandes vom geistlichen Stand und um Besoldung der Lehrer aus Staatsfonds,
6. Eingabe vieler Einwohner der Kreisstadt Merzig an der Saar und Umgegend, verschiedene Wünsche enthaltend (Diese Petition ist vergleichbar mit einem" cahier de
doleance" in der Zeit der Französischen Revolution), 7. Eingabe für das Wahlgesetz vom Volksverein zu “... Merzig, Trier, Saarlouis,
Ottweiler..." (Diese Petition beweist, dass in Merzig ein Volksverein zur Förderung der politischen Interessen entstanden war).
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