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Politisch-wirtschaftliche Lage im Saarland vor 1848 Die saarländischen Kreise waren in ihrer
wirtschaftlichen und sozialen Situation sehr verschieden. Im wesentlichen hatte nur der südliche Teil einen stark industriellen Charakter angenommen. Die Gegend um Saarbrücken und Dillingen spielte dabei eine große
Rolle. Dagegen waren in den Kreisen Saarburg und St. Wendel kaum Industrien zu finden. 1750/51 nahm Fürst Wilhelm Heinrich die Gruben in eigene Regie. 1769 wurde die "Brüderbüchse" eingerichtet um
Unterstützung im Krankheitsfall oder bei besonderer Armut zu leisten. Manche Familien waren so arm, daß die Frauen auch in der Grube arbeiten mussten. Bis 1848 standen noch große Eisenwerke in Brebach,
Neunkirchen und Dillingen. Im Hochwald gab es in Nunkirchen, Münchweiler und Scheidt Eisenindustrien, die nicht konkurrieren konnten und 1850 aufgekauft wurden. 1841 war die saarländische Tonwarenindustrie mit
dem Namen Villeroy & Boch identisch, nachdem sie bereits 1791 zusammengelegt worden war. Die Glasindustrie hatte nur noch geringe Bedeutung. Der Arbeiterstand war in diesen Jahren sehr gering und ohne jeden
politischen Einfluss. Die Zahl der Arbeiter betrug nur 6% der Bevölkerung. Auch die Zahl der Handwerker war sehr gering. Bevor die Eisenbahn existierte, stand die Saar als Verkehrsweg im Mittelpunkt. Doch der
Fluss war nur im Frühjahr und im Herbst schiffbar. Erst in den 40er Jahren gelang es den Wasserstand zu erhöhen und damit die Schifffahrt und vor allem der Kohlenverschiffung größere Chancen zu geben. Der
industrielle Aufschwung setzte in der Saargegend nach dem Eisenbahnbau langsam ein, weil es zunehmend benutzbare Beförderungswege gab. Nach der Eröffnung der Bahnstrecke (1852/60 Saarbrücken-Trier) kam der
Schiffsverkehr fast zum vollständigen Erliegen. Nachdem Bahnstrecken im Jahre 1840 und 1852 eröffnet wurden, bekam der Bergbau einen ungeahnten Aufschwung, da die Kohle jetzt fast überall hin transportiert werden
konnte. Insgesamt war in Deutschland die materielle Lage breiter Bevölkerungsschichten sehr schlecht. In dem Regierungsbezirk Trier, zu dem das Saarland außer dem bayerischen Teil zwischen St. lngbert und Homburg
gehörte, waren in den Jahren 1830-42 ausgesprochene Hungerjahre. Die Bergleute, Hütten- und Fabrikarbeiter verdienten knapp den Lebensunterhalt. Das Handwerk befand sich Ende der 30er Jahre in einer schweren
Krise. Viele Handwerksbetriebe unterlagen der Konkurrenz der Fabriken. Zusammen mit den Gesellen bildeten sie das Handwerksproletariat. Trotz langer Arbeitszeiten lebte der Großteil der Bevölkerung in großem
Elend. Auch für die Bauern war diese Zeit von großer Not und Elend begleitet, da es viele Missernten gab und sie rechtlos waren gegenüber dem grundbesitzenden Adel. Durch die Erbschaftsteilung waren die Felder auch
noch so klein, dass sich davon keine Familie mehr ernähren konnte. Um die Not lindern zu können, wurde neben Kornzuteilung auch aus königlichen Magazinen Ackerbauschulen gegründet um den Bauern ein größeres Wissen
zu vermitteln. Am 01.10.1846 wurde in Merchingen die 1. Ackerbauschule eröffnet. Noch schlimmer als die Not zeigte sich die Zuchtrute des Staates in Form von äußerst strengen Gesetzen und Vorschriften. Man
durfte sogar kein Holz aus den Wäldern mehr sammeln, weil dies als "Forstfrevel" galt und mit Geldbußen oder sogar mit Haftstrafen geahndet wurde. Andere staatliche Zwangsmaßnahmen war das vormärzliche
Steuersystem in Preußen, das für die Revolution von 1848 ebenfalls auslösende Wirkung zeigen sollte. Die Steuern auf Fleisch, Brot, Mehl sowie Schlachtsteuern powerten die ärmeren Schichten völlig aus. Die
Luxusartikel wie Wildbret, Geflügel u.s.w. waren von den Steuern ausgenommen. Am 1. Juli 1848 wurde die Mahlsteuer abgelöst. Am 1. Januar 1849 wurde auch die Schlachtsteuer abgeschafft. Beide wurden durch eine
Klassensteuer, d.h. eine Art Einkommenssteuer ersetzt. Viele Menschen versuchten sich im Ausland bessere Lebensbedingungen zu verschaffen, da Gewerkschaften nach der preußischen Gemeindeordnung verboten war.
Auch auf den preußischen Teil des Saarlandes traf die Lage zu. Wirtschaftliche Gründe waren die Hauptsache der Auswanderung. Besonders zahlreich waren die Auswanderungen aus dem Kreis Merzig in den Jahren 1815 bis
1874: 2241 Menschen verließen die Heimat in Richtung Amerika. Ein anderer Grund für die Auswanderung darf nicht übersehen werden: Die Repressalien der fürstlichen Regierungen als Antwort auf das mitunter stürmische
Verlangen nach mehr Freiheit.
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